Seelsorge

- Sorge für die Seele

Der Begriff Seelsorge ist historisch aus Sorge und Seele, Sorge für die Seele entstanden und beinhaltet den christlichen Beistand in Glaubens- und Lebensfragen auf der Basis des christlichen Welt- und Glaubensverständnisses.

Seelsorge und christliche Geschichte

Ausgehend vom Glauben an seelische und körperliche Auferstehung, kommt Heil und Gesundheit der Seele im Christentum eine besondere Bedeutung zu. Der Begriff Seele ist hier eng verknüpft mit dem bewussten Leben nach den Regeln des Glaubens. Diese Regeln waren im Lauf der Geschichte Wandlungen unterworfen, weshalb auch der Seelsorge Aufgaben zugewiesen wurden.

Im frühen und späteren Mittelalter ging es vor allem um christliche Aussagen bezüglich von Sünde, Schuld und Sühne. Seelsorge beschränkte sich vornehmlich auf den Beistand, den strengen Regeln der Kirche zu folgen. Die seelsorgerischen Pflichten und Aufgaben kamen in der Regel den Mönchen und Priestern zu, deren Rat und Beistand eingeholt wurde.

Im Laufe der Reformationsbewegung, insbesondere in Gang gesetzt durch Martin Luther war die Seelsorge weniger auf die Lossprechung von Sünden, Sühne von Verfehlungen und Schuld, gebunden, sondern richtete sich stärker auf die christliche Lebensberatung aus, um Probleme auf der Basis der christlich-ethischen Grundsätze der Nächstenliebe zu lösen. Seelsorge wurde auch im Sinne von Aufklärung, Beratung, Mission, dem seelsorgerischen Gespräch betrieben.

Einer der bedeutenden Repräsentanten der Seelsorge in den USA, Boisen, entwickelte in den 1920er Jahren eine Form der Seelsorge, die auch Psychologie und Pädagogik einschloss, das Clinical Pastoral Training.

Anton Theophilus Boisen
Anton Theophilus Boisen, der Begründer des Clinical Pastoral Training, 1897 im Arbutus Yearbook der Indiana University

Seelsorge in unserer Zeit

In die tätige Seelsorge sind heute insbesondere auch Erkenntnisse der Psychologie eingeflossen. Seelsorge versteht sich heute insbesondere als Zuwendung zu seelischen Nöten und Problemen von Menschen, ungeachtet der Religionszugehörigkeit. Sie können Seelsorge in Anspruch nehmen, wie unter anderem bei Trauerarbeit, Angst, sozialer Ausgrenzung, aber auch seelischen Problemen, die dem beruflichen und persönlichen Alltag erwachsen, der Hilfe bei Bewältigung von Traumata und mehr zu.

Es gibt keine spezielle Seelsorge-Qualifikation. Seelsorgerische Tätigkeiten bezüglich einer Lebensberatung und Problemzuwendung, des Gesprächs, werden heute auch von Menschen ausgeübt, die keiner der christlichen Kirchen und Gemeinschaften angehören. Dennoch ist die Seelsorge nach wie vor fest in der Ausübung des christlichen Glaubens verankert. Seelsorgerische Tätigkeiten werden von großen Organisationen, wie der Diakonie, wie auch von Vertretern der Kirche ausgeübt. Vielfach bekommen Seelsorger für Spezialgebiete eine besondere Vorbereitung auf ihre Aufgabe, so bei der Militärseelsorge, Polizeiseelsorge, Seelsorge in Schulen und weiteren.

Seelsorge (Foto: Joe Houghton, CC BY 2.0)

Gebiete der Seelsorge

Seelsorgerische Tätigkeiten werden heute in fast allen Bereichen der Gesellschaft ausgeübt. Ihnen stehen die Beratungen durch telefonische Seelsorge der Kirchen und die allgemeine telefonische Seelsorge offen, ebenso stehen Vertreter der großen Kirchen und Freikirchen für Seelsorgegespräche bereit. Spezielle Bereiche der Seelsorge sind zum Beispiel Bahnhofsseelsorge, Sterbebegleitung, Trauerarbeit, Notfallseelsorge, Seelsorge in der Psychiatrie, im Hospiz, Krankrankenhaus, bei Katastrophen und Unfällen. Im Rahmen der modernen Medien finden Sie auch Online-Angebote für Seelsorge und SMS-Seelsorge.